Prof. Perfetti, Neurologe in Schio/Santorso (Italien), entwickelt seit den siebziger Jahren das Behandlungskonzept der Kognitiv-Therapeutischen Übungen für die neurologische und orthopädische Rehabilitation. Das Konzept, dass ständig neuen Erkenntnissen angepasst wird und daher nie still steht, eignet sich besonders für die Rehabilitation von Hemiplegien.
Das Ziel der Übungen ist die Reorganisation des Nervensystems ...
Das Ziel der Kognitiv-Therapeutischen Übungen ist die Reorganisation des Nervensystems, das sich nach einer Schädigung in einem pathologischen Zustand befindet. Die Reorganisation findet im Gehirn statt und soll letztendlich zu einer Veränderung im Bereich der Muskelkontraktion führen. Der Patient soll Strategien lernen, die ihm erlauben, wieder so normal wie möglich zu handeln. Prof. Perfetti spricht deshalb auch von einem Lernprozess unter pathologischen Bedingungen. Um eine therapeutisch geführte Reorganisation durchzuführen, wird versucht, gezielt Veränderungen im Nervensystem hervorzurufen. Diese Prozesse basieren auf der Fähigkeit der Plastizität des Gehirns. Plastizität des Gehirns bedeutet, dass es innerhalb gewisser Grenzen fähig ist, beschädigte Elemente neu zusammenzusetzen und auch neue Verbindungen zu schaffen.
Die philosophische Grundlage des Konzepts bildet die systemische Anschauungsweise, die besagt, dass der Mensch als komplexes System angesehen werden solle. Dies bedeutet, dass menschliche Fähigkeiten, wie Bewegung, Wahrnehmung und kognitive Leistungen nicht isoliert betrachtet und behandelt werden dürfen. Aus dieser neuen Sicht wird eine Bewegung weder als Summe vieler Muskelkontraktionen (mechanistische Sichtweise) noch als Reflexantwort (reflexorientierte Sichtweise) betrachtet. Vielmehr wird Bewegung als ein kognitiver Prozess verstanden, der zur Erreichung eines bestimmten Ziels aktiviert wird.
Zum kognitiven Prozess zählt auch die Wahrnehmung, die in den Kognitiv-Therapeutischen Übungen große Bedeutung findet, da sie die Informationsaufnahme und somit die Interaktion mit der Umwelt ermöglicht.
Texte: ARZ
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